obdachlose Frauen

Kann man sich vorstellen wie es ist, sich vor dem Schlafengehen in die Hose zu machen um sich vor Vergewaltigungversuchen zu schützen?

Wie es den Frauen geht, die kein Zuhause haben, dazu gibt es wenig Informationen. Klar ist: Für sie bedeutet ein Leben auf der Straße noch eine ganze Reihe anderer Probleme. Vor allem sind sie jederzeit sexuell angreifbar. Viele Frauen leben daher in einer Scheinobdachlosigkeit.

Die Frauen wissen, dass sie sich schützen müssen und das versuchen viele, indem sie möglichst wenig auffallen wollen. Das sind Zeiten sehr prekären Lebens und Wohnens. Immer unter Spannung und in großer Unsicherheit.

Ich höre immer häufiger von Mietverhältnissen, in denen eine  “gewisse Gegenleistung” erwartet wird. In den letzten Wochen gab es zwei Anzeigen auf Ebay Kleinanzeigen von jungen Frauen, die um Hilfe baten, weil sie ihre Wohnung verlieren würden. Die Kommentare darunter waren schon ekelhaft. Was die Frauen privat wohl für Nachrichten erhalten haben?

Es gibt viele andere Probleme. Wie fühlt es sich für Frauen auf der Straße an ihre Tage zu bekommen? Wo kriegt man die entsprechenden Hygieneartikel her, die oft so teuer sind, dass es ein wahres Luxusgut ist.

Junge Straßenmädchen die noch nie beim Frauenarzt waren, die kaum sexuelle Aufklärung erfahren haben. Verhüten ist für Frauen auf Platte quasi unmöglich, denn selbst Kondome kosten so viel, dass häufig darauf verzichtet wird. Ungewollte Schwangerschaften können passieren, genau so wie Geschlechtskrankheiten die man übertragen bekommt.

Frauen sind in der Unterzahl. Frauen kämpfen auf der Straße um die gleichen Rechte wie in der echten Welt. Das Pflaster ist nur noch viel härter. Ich habe mit einigen Frauen gesprochen und alle sagen: “Es ist schlimm.” Dann verfallen sie in langes Schweigen. Was passiert ist, darüber spricht kaum jemand. Es bleibt vieles verborgen.

Darum ist es wichtig die Probleme der Frauen noch einmal gesondert zu betrachten. Seit August fährt in Berlin extra ein Duschmobil nur für Frauen durch die Stadt.

Unser Duschbus wird zu Beginn an drei Tagen in der Woche im Einsatz sein. Gülay und Stella haben sich jedoch so sehr mit dem Thema auseinandergesetzt, dass wir uns für etwas neues entschieden haben. Sie sprechen zum Beispiel mit dem Duschbus Betreibern in Paris die ihre Erfahrungen berichten und schildern wie einige Frauen den Bus meiden würden wenn dort viele Männer zugegen sind. Das bestätigen auch andere Einrichtungen in der Stadt. Manche Frauen würden unser Angebot dann womöglich nicht annehmen.

Das wollen wir verhindern. Jeder soll zu uns kommen können. Darum werden wir einen vierten Tag hinzufügen an dem der Bus nur für Frauen geöffnet sein wird.

Wer sich mit dem Thema obdachlose Frauen intensiver auseinandersetzen will, dem sei der Film „Der Glanz der Unsichtbaren“ (Trailer) empfohlen, der zur Zeit in den Kinos läuft. Und man hört es munkeln, dass es zu dem Film auch noch eine Veranstaltung geben wird, bei der auch GoBanyo involviert ist… Dazu demnächst mehr.

Autor: Dominik Bloh

Foto: ©pfiffl medien (Der Glanz der Unsichtbaren)