Duschbus vor der Tagesschau

Ich stand an der Reeperbahn. Sie schlenderten mir entgegen. Einer von ihnen hatte die Augen schon ganz tief hängen, sein Körper muss sich von selbst bewegt haben, so abwesend wirkte er. Der andere war sehr klar und sprach mich an. Du bist der, den ich andauernd im Fernsehen sehe, sagte er. Ich lache und antworte, dass heute vieles anders ist und ich hoffe, dass es für uns alle besser wird. Wir gucken uns in die Augen. Ich kann Hoffnung in seinen sehen.

Wir verabschieden uns mit einem Handschlag und ich sehe seine kaputten Hände. Oft sieht man vernarbte Fingerkuppen. Das kommt vom Rauchen. Man zieht solange bis man sich die Finger verbrennt.

Ich komme gerade von einem Dreh am Fischmarkt. Die Fernsehlotterie war da. Bei einer Lesung im Jahr 2018 habe ich die ersten Menschen von der Fernsehlotterie getroffen. Ich dachte sofort an den Duschbus. Heute drehen Sie hier einen Beitrag über GoBanyo und die Förderung der Soziallotterie die wir erhalten haben. Dank dieser Unterstützung können Stella und Anselm drei Jahre voll und ganz für GoBanyo tätig sein.

Eine Frau der Fernsehlotterie war im Team dabei und so berührt von dem, was wir dort machen, dass sie direkt ihren ersten Tag ausmacht, an dem sie am Bus mithilft. Wir haben schon vor der Ausstrahlung Menschen erreicht.

Sonntagabend läuft GoBanyo in der ARD um 18.49 Uhr und 19.59 Uhr jeweils kurz vor der Tagesschau. Wir können Millionen Zuschauern unsere Botschaft senden. Waschen ist Würde.

Und das passiert zu einer Zeit, in der wir gerade aufgrund von den Situationen rund um die Ausbreitung von Covid 19 intensive Maßnahmen ergreifen müssen, die uns sehr schwer fallen. Am Samstag den 14.3. sind wir nochmal bis 18 Uhr auf der Straße. Ausnahmsweise nicht nur für die Damen (wie jeden Samstag), sondern für alle. Wir bedauern – wie alle anderen Kolleg:innen in der Obdachlosenhilfe – zutiefst, dass auch wir unser reguläres Angebot ab Sonntag, den 15.3. einstellen werden.

Unsere Abläufe müssen der aktuellen Gefährdungslage durch Covid 19 an die neue Situation angepasst werden, denn wir möchten keinesfalls nichts tun. Schließlich können wir mit den Duschen einen Teil zur Linderung der Pandemie beitragen. Das muss aber in enger Abstimmung mit der Stadt erfolgen. Derzeit wird darüber beraten, ob und wie der Duschbus in den nächsten Wochen in Hamburg helfen kann.

Denn: Waschen ist Leben

LINK: Interview mit der deutschen Fernshelotterie mit Dominik

Autor: Dominik Bloh

Foto: © Julia Schwendner // www.thisisjulia.de